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Markus Bollen gewinnt den Umwelt Award 2024

Am 17. Mai 2025 gewann Markus Bollen den Umwelt Award 2024 des Stadtverbandes Kultur in Bergisch Gladbach.

Für seine Ausstellung „Unsichtbar“ 2024 bis 2025 in der VHS Bergisch Gladbach und seine vielfältigen Umweltinitiativen erhielt Markus Bollen am 17. Mai 2025 in der Zukunftswerkstatt des Zandersgeländes den Umwelt Award 2024 des Stadtverbandes Kultur in Bergisch Gladbach. Er thematisiert in seinen auf den ersten Blick sehr ästhetischen Bildern tiefe Umweltproblematiken, wie Überdüngung von Gewässern, Notfruktifikation der Bäume. 

Das Unsichtbare fotografieren – was eigentlich wie ein Widerspruch klingt, das ist dem Fotografen Markus Bollen in seiner Ausstellung 2024 in der VHS gelungen. Von November 2024 bis Januar 2025 zeigte Markus Bollen hier Arbeiten der letzten 30 Jahre. Mit der Ausstellung hat sich der Künstler für den Umwelt-Award 2024 des Stadtverband Kultur beworben. Und die Jury hat ihn zum Preisträger erkoren, weil er in besonderer Art und Weise mit seinen Arbeiten dazu anregt, über Klimawandel und Artensterben nachzudenken. Wir sagen herzlichen Glückwunsch!

Das Unsichtbare fotografieren: Dieser Ansatz ist als künstlerische Leistung einmal mehr beachtenswert in einer Welt … – die von Bildern geradezu überschwemmt wird, – in der nichts vor der medialen und virtuellen Reproduktion gefeit ist, – in der die Kamera in den Handys zum Alltagsgegenstand der Auseinandersetzung mit der Umwelt geworden ist, – in der das Bilderproduzieren und Bilderpublizieren mit Apps zum Akt des sozialen Austauschs im Wettbewerb um viele Klicks und Likes geworden ist In dieser Welt dreht Markus Bollen mit seiner künstlerischen Arbeit den Spieß um, nutzt das Medium für leise und damit umso eindringlichere Botschaften, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen.

Markus Bollen geht es nicht um die schrillen optischen Töne, den billigen Effekt. Er will – ganz entgegen des Zeitgeists – keinen schnellen Like erhaschen. Der Fotograf konfrontiert die Betrachtenden in seinen Arbeiten vielmehr mit einer extrem subjektiven Sicht auf die Natur … – um damit zunächst eine verborgene Ästhetik zu enthüllen – um die Schönheit abseits des Üblichen zu zeigen. Bollen, der für seine Panorama-Fotografien bekannt ist, zeigt in seiner Ausstellung mit mikroskopischem Blick das Spektakuläre im Kleinen, enthüllt die Sensation des Verborgenen, lenkt den Blick auf Farben, Formen, Muster – will die Betrachtenden wie es scheint für die Schönheit der Natur begeistern.

Banale Landschafts- und Naturfotografie, so der Eindruck auf den ersten Blick? Grandiose Ästhetik, einfach schön. Vielleicht zu schön? Ja, denn es steckt mehr dahinter! Bollen klärt die Betrachtenden in seiner Ausstellung auf. Er macht klar, was sie sehen, und warum sie es sehen! Und dieser Schritt – von der Betrachtung zur Entlarvung – dieser Schritt macht die Ausstellung so besonders.

So zeigt er einen dichten, filigranen Teppich aus Blütenstaub auf der Wasseroberfläche des Kadettenweihers. Die Natur als Kunstschaffende, Ästhetik des Organischen! – Doch das Objekt der Betrachtung ist zugleich ein Hilfeschrei der Natur. Denn der Betrachtende sieht hier nichts anderes als Not-Fruktifikation, erläutert Bollen in Anmerkungen zum Bild: Wegen der sich verschlechternden Umweltbedingungen produzieren Bäume vermehrt Samen und Pollen. Ein letzter – wie es scheint verzweifelter Versuch – die Gene weiterzugeben.

Das Werk „Blackbrook“ inszeniert das explosionsartige Wachstum von Grünalgen in einem See infolge der Überdüngung – Betrachtende werden mit der Ästhetik der Eutrophierung des Sees konfrontiert. Bollen setzt – wenn man so will – die Schönheit des Bildes gegen das Grauen der Erkenntnis. Er holt die Betrachtenden aus ihrer nur kurz andauernden Komfortzone des Kunstgenusses heraus, um sie dann mit den radikalen Auswirkungen des Klimawandels zu konfrontieren. Die Aufklärung auf Handzetteln, mit der das Gesehene eingeordnet wird, ist Teil des Konzepts. Und sie ist ein wichtiger Teil.

Denn indem Bollen den Betrachtenden die Schlüssel zum Dechiffrieren der Kunstwerke an die Hand gibt, macht er sie zu Mitwissern. So klärt er auf, stößt Denkprozesse an, regt vielleicht zum Handeln an. Seine Bilder sind ein geschickter Weg in die Köpfe der Betrachtenden, weitaus effizienter als die auf kurzfristige Empörung ausgerichtete, reine Dokumentation von Umweltkatastrophen.

Unterstützt wird dies mit der Ausstellung von Hornissen- und Wespennestern. Bollen zeigt, wie fragil aber auch erfindungsreich die Fauna ist. Er schafft Bewunderung, Ehrfurcht, skizziert Kreisläufe und Ökologie, verweist auf Millionen Jahre alte Prozesse in der Natur – die in wenigen Jahrzehnten durch den Menschen vernichtet werden könnten. All dies setzt eine detaillierte und fachlich fundierte Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Objekt der Betrachtung voraus, die Markus Bollen ohne weiteres leistet. Denn er ist nicht nur Fotograf, sondern auch Imker und Aktiver in der Initiative „Blühendes GL“. Die Initiative hat zuletzt einen Naturgarten vor dem Ausstellungsraum, der VHS, geschaffen.

Kritik und Anklage in seinen Kunstwerken setzt er eigenes Handeln entgegen. So werden seine Botschaften umso eindringlicher. Mit seinen Arbeiten reagiert der Fotograf Markus Bollen auf drängende Fragen der Zeit und bezieht klar Stellung auf die Frage, ob Kunst auch politisch sein sollte.

Er arbeitet klug mit den Mitteln der Fotografie. Und führt deren Anspruch auf exakte Dokumentation ad absurdum, was – wie erwähnt – der Wirkung der Bilder nur zuträglich ist.

So lässt sich die Aussage eines Künstlerkollegen lesen, welche Bollen in Zusammenhang mit seiner Ausstellung zitiert: „Das, was ich nicht sehen kann, ist von unendlich größerer Bedeutung als das, was ich sehen kann“, so die Worte des US-amerikanischen Fotografen Duane Michels. Markus Bollen setzt diesen Ansatz mit der Ausstellung „Unsichtbar“ eindrucksvoll um.

Es ist ein leises, stilles Sterben, ein Drama im Verborgenen, dass da draußen in der Natur geschieht. Und daher braucht es kluge Wege, um auf die Not und das Gebot des Handelns hinzuweisen. Ein Anspruch, den Markus Bollen mit seinen Arbeiten auf hohem künstlerischem Niveau meisterlich umsetzt. Kunst und Botschaft gehen geschickt Hand in Hand – daher verleiht die Jury ihm den Umwelt-Award 2024.

Verfasser N.N., vorgetragen von Harald Mohr

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